Buchholzens
 

Satire-

Letter


Der etwas andere
Kommentar

Martin Buchholz

Nr. 684 – vom 18. Juni 2018




MEXI-K.O.

Wir sind ein geschlagenes Volk. Besiegt von irgendwelchen Ausländern aus Mexiko. Und das im fernen Russenland. Zur Entschuldigung für unsere Mannschaft muss man sagen: Das war auch eine ungewöhnliche Begegnung für uns Deutsche: Wir haben zwar schon früher auf russischen Boden gekämpft, aber unser Gegner war zu der Zeit eben nicht Mexiko, wenn ich mich richtig erinnere. Die Mexikaner hatten sich damals feige verkrochen in Mittelamerika, so dass wir ihrer nicht habhaft wurden. Eigentlich ging es, als wir auf russischem Boden kämpften,  nur gegen Russland. Das war auch im Rahmen einer Weltmeisterschaft, wo die deutschen Fan-Clubs überall das Lied anstimmten: „Denn heute gehört uns Deutschland, und morgen die ganze Welt.“ Allerdings gab es bei dieser damaligen WM keine Vorrunde. Es ging immer gleich ins Endspiel.

Nun ist es ja inzwischen fraglich,ob wir diesmal überhaupt ins Finale kommen. Und falls doch, ist es noch fraglicher, ob wir gegen Russland kämpfen. Schade, denn da ist schließlich immer noch eine Revanche offen. So könnten wir Deutschen den Russen zeigen, dass wir noch immer gut in Schuss sind, wenn wir bei ihnen ins Feld ziehen – beziehungsweise aufs Feld, also aufs Fußballfeld. Schließlich soll die Schlacht diesmal eine friedliche sein.

Und auch an der Heimatfront zieht dann mitten im Kampf der Frieden ein, und zwar der soziale. Denn trotz unserer schmachvollen Niederlage sind wir immer noch Weltklasse. Da erübrigt sich jeder Klassenkampf. Das ist bei allen Fußball-Europa- und Weltmeisterschaften so. Alles hockt in trauter germanischer Eintracht vor der Glotze.

Egal ob man ein Hartz-IV-Sozialfall ist oder ein Asozialer aus einer Konzern-Chefetage: Wenn Deutschland spielt, guckt ganz Deutschland vereint in die Röhre. Ein klassenübergreifendes Public Viewing. Das kennt man als das Prinzip der kommunizierenden Röhre.

Vereint schaut man zu, wie da ein paar Millionäre anderthalb Stunden lang arbeiten müssen. Und nirgendwo kommt eine Neiddebatte auf. Und was unsere Nationalmannschaft angeht, herrscht jetzt selbst bei einheimischen Fremdenhassern notgedrungen so etwas wie eine zähneknirschende Toleranz. Denn mit der Deutschstämmigkeit der deutschen Mannschaft ist es ja zumindest teilweise auch nicht so weit her war. Das ist natürlich kaum zu ertragen für einen deutschen After… nee, nicht After, da habe ich mich vertippt: AfDer schreibt sich das. Ein Freudscher Vertipper. Als angeblich deutsche Mannschaft ist da zu nicht geringem Teil eine eingedeutschte Fremdenlegionärs-Truppe im Einsatz: Mesut Özil, David Odonko, Mario Gomez, Jerome Boateng, Sami Khedira, Ilkay Gündogan….. Zumindest solche Spieler wie Mesut Özil und Gündogan sind ja als Deutsche eindeutig getürkt, kämpfend Seit an Seite mit ihrem Spielführer Erdogan. Soll einer noch sagen, wir Deutschen hätten was gegen Fremdstämmige. Bei fußballernden Millionären sind wir absolut multikulti.