Buchholzens
 

Satire-

Letter


Der etwas andere
Kommentar

Martin Buchholz

Nr. 702 – vom 29. Dezember 2020




Mein letzter Letter

Liebwerte Leserin,
geschätzter Leser,

nach langer Zeit melde ich mich noch einmal bei Ihnen. Mich haben etliche Anfragen erreicht, ob ich etwa krank sei, gar corona-verseucht, weil ich mich seit Monaten nicht mehr bei Ihnen gemeldet habe. Nee, keine Sorge. Mir geht es ziemlich gut. Danke für die Nachfrage.


Ich war und ich bin lediglich mit anderen Projekten beschäftigt, die mich voll in Anspruch nehmen. Das sind für mich neue Aufgaben als schreibender Mensch, abseits der politischen Satire. Aufgaben, die mir großen Spaß machen, weil ich mich neu ausprobieren kann. Ob daraus wirklich etwas Lesbares wird, weiß ich selbst noch nicht. Aber das ist mir im Augenblick auch ziemlich wurscht. Ich muss mir nichts mehr beweisen – und anderen schon gar nicht. Vielleicht hören oder lesen Sie dann irgendwann von mir. Vielleicht auch nicht.


Meine geplanten Lesungen auf der Bühne sind ohnehin alle abgesagt, was ich gar nicht so sehr bedaure. Es liegt wohl auch daran, dass ich das Gefühl habe, während meiner Jahrzehnte auf der Bühne und nach hunderten von Satire-Lettern eigentlich alles schon mal gesagt zu haben – zu fast jedem Thema. In Sachen politische Satire kann ich mich selbst nicht mehr überraschen.


Was ja nicht heißt, dass ich nicht als politischer Mensch aktiv bleibe. Mein politisches Engagement hat ohnehin schon immer auch abseits der Bühne stattgefunden.


Das ist also ein Abschiedsbrief zum Jahresende. Zugleich ein Dankesbrief dafür, dass Sie mich so lange ertragen haben.


In diesen bescheuerten Pandemie-Zeiten wünsche ich Ihnen und mir, dass wir uns alle im neuen Jahr gegenseitig anstecken mögen ­ – mit Zuversicht und einer möglichst heiteren Gelassenheit.


Ich grüße Sie sehr freundlich und bleibe Ihr dankbarer


Martin Buchholz