Buchholzens
 

Satire-

Letter


Der etwas andere
Kommentar

Martin Buchholz

Nr. 688 – vom 7. März 2019




Frauentag 1:
Die Abtreibungen des Herrn Martenstein

Uff! Harald Martenstein, Rechts-Ausleger beim „Tagesspiegel“ und Kolumnist in der „Zeit“, machte mal wieder kein großes Edelfederlesen. Genauer: Er rupfte kurz vor dem Frauentag in der „Zeit“ ein na(r)zis(s)istisches Hühnchen mit den wildgewordenen Feministinnen. Die wollen doch tatsächlich in den USA durchsetzen, dass unerwünschte Kinder noch während der Geburt getötet werden können. Sogar die „nachgeburtliche Abtreibung“ wird gefordert von feministisch abseitigen Forschern. Und die Jusos wollen die Abtreibung bis zum neunten Monat legalisieren. „Nazi“-Denken, diagnostiziert Martenstein.

So weit, so skandalös! Nur stimmt davon nichts. Alles aufgeplusterte Fake-News, die zum Teil schon der allwöchentliche „Tagesspiegel“-Schwafler Josef Joffe verbreitet hat. Im Faktencheck der „Tagesschau“ werden diese Horror-Lügen richtig gestellt (https://faktenfinder.tagesschau.de/ausland/fake-news-abtreibungen-101.html).

Bei solchen journalistischen Trumpisten wie Martenstein und Joffe drängt sich mir unwillkürlich eine Assoziation in den verqueren Sinn: Plötzlich denke ich an die Gnade der frühen Abtreibung. Missverstehen Sie mich bitte richtig: Ich meine die Abtreibung von abstrusen Wahnvorstellungen. Man weiß doch nicht, mit welchen irrwitzigen Fakes diese Herren sonst noch so schwanger gehen.


FRAUENTAG 2:
Elektronische Weibchen

Ist es nicht schön, dass es in Zeiten, die uns immer wieder sprachlos machen, allzeit hilfsbereite Sprachassistenten gibt. Genauer: Sprach-Assistentinnen, denn sie hören auf die Namen Siri (Apple), Alexa (amazon) oder Cortana (Microsoft). Rund um die Uhr sind sie bereit, unserer mehr und mehr schrumpfenden Intelligenz mit ihrer künstlichen nachzuhelfen. Sie erinnern an Termine, nehmen Diktate auf, wählen für uns am Telefon: Sie tun eben das, was Assistentinnen und Sekretärinnen bislang auch schon immer gemacht haben.

Eine weibliche Unterordnung in ständiger Einsatzbereitschaft. So ist es für die Software-Entwickler nur logisch, dass sie elektronische Weibchen geschaffen haben, die sich mit sanfter Stimme bei ihren Herrchen auf Abruf melden. Das uralte Rollenspiel wird fortgesetzt im weltweiten Cyberspace des Maskulinismus.

„Hallo Alexa! Hallo Siri! Hallo Cortana! Bitte erinnern an den nächste Frauentag!“


FRAUENTAG 3:
Wie eine Berechtigung unters Weibsvolk kam

Schlag nach im Grundgesetz. Da steht im zweiten Satz des dritten Artikels: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“

Ein von Beginn an heftig umstrittener Satz. Die grundsätzliche Frage war ja: Wem steht da welche Berechtigung zu? Dass die Männer allein schon durch ihr maskulines Dasein jede Berechtigung zu fast allem haben, stand allerdings außer Frage.

Doch irgendwann empfanden einige Frauen diese fraglose Berechtigung der Kerle als fragwürdig. Sie wurden regelrecht aufmüpfig und verlangten nun ebenfalls eine Berechtigung. Großzügig, wie wir Männer sind, sagten wir: „Okay Mädels, ihr sollt eure Berechtigung haben. Nur müsst ihr euch noch ein bisschen gedulden.“ Seither warten die Frauen. Wann immer sie sich ungeduldig nach ihrer ausstehenden Berechtigung erkundigen, kommt die beschwichtigende Auskunft: „Gleich! Gleich!“

Deshalb: Gleich-Berechtigung.


In eigener Sache

Diese letzten Absätze sind übrigens ein kurzer Auszug aus meinem neuen Buch, das Ende März zum 70jährigen Jubiläum des Grundgesetzes erscheint. Titel: „Die Siebzigjährige, die man zum Fenster hinauswarf und die einfach nicht verschwand“.

Zu diesem Thema mache ich auch Veranstaltungen: Am 23. März im Hamburger „Lustspielhaus“. Am 28. April und am 19. Mai in der Berliner „Distel“. Genaueres steht hier im Tourneeplan.


Das Buch kann schon jetzt vorbestellt werden unter der E-Mail-Adresse bestellservice@martin-buchholz.de. Es kostet mit oder ohne Signatur 20 Euro plus Versand. Wenn sie die DVD von meinem letzten „Wühlmäuse“-Auftritt dazu bestellen, zahlen Sie lediglich 10 Euro extra. Allerdings nur, solange die Restbestände reichen.