Bekenntnisse

 

 

Satire-Letter Nr. 736 vom 6. März 2025

 

DER ERSTE FRAUENTAG

IM PARADIES

I.

Der internationale Frauentag rückt unerbittlich näher. Das, was ich dazu zu sagen hätte, habe ich schon ausführlich getan in meinem neuen Buch, in dem ich die patriarchalen Schöpfungsgeschichten von der Antike bis zur Neuzeit satirisch auseinandergenommen und neu zusammengesetzt habe. („Männer,Macht und Mythen“ – signiert per Mail zu bestellen unter kontakt@martin-buchholz.de. Die Rechnung liegt dann der Büchersendung 20 € plus 3 € Versandkosten, bei Mehrfachbestellungen versandkostenfrei.) 

 

In diesem zweifelhaften Machwerk berichte ich auch von dem ersten Frauentag der biblischen Schöpfungsgeschichte, als das erste Erdenweib von Gottes und Adams Gnaden auf der paradiesischen Szene erschien. Im Folgenden ein stark gekürzter Auszug.

 

II.

Es begann bekanntlich mit der Eva-Kuierung von Adams Rippe. Kein wirklicher Frauentag. Eher ein Männintag. Denn nachdem der damals noch nicht christliche Herrgott als Chefarzt im paradiesischen OP die Entrippung beendet hatte, erwacht Adam aus seiner Betäubung und begutachtet das Ergebnis, also diese Eva, die ihm da entleibt worden war. Laut Luther kommt er zu folgender Erkenntnis:

 

Man wird sie eine Männin heißen,

weil sie vom Manne genommen ist.

 

Harriet, ein Wesen vom Geschlechte Evas, ist am späten Frühstückstisch stets die erste kritische Leserin meiner nächtlichen Elaborate. Manchmal stöhnt sie nur verzweifelt auf:

„Mein Gott, Martin!“

(Nicht, dass ich auf dieser Anrede bestehen würde, aber in einer engen Beziehung zwischen zwei Menschen schleichen sich zuweilen die seltsamsten Kosenamen ein.) 

 

Als sie aber in meinem Manuskript von der Reaktion Adams las, meinte sie höhnisch: „Eine Männin? Dann war es also Martin Luther, der das Gendern erfunden hat.“

 

Ich raunzte in noch halbverschlafener Mißlaunigkeit: „Eine typisch feministisch-dogmatische Verfälschung des Bibeltextes.“ 

 

Sie, verächtlich schniefend: „Dieses Wortspiel mit der Männin ist schlicht blöde. Schließlich meint er damit, dass die Frau nur eine Art Wurmfortsatz des Mannes ist, ein eigentlich überflüssiges Anhängsel. Ein Appendix, der notfalls auch wieder wegoperiert werden kann bei zu starker Reizung.“

 

Ich, jeglicher Reizung widerstehend: „Von einem Blinddarm ist in der Bibel keine Rede, nur von einer Rippe.“

 

Nach einer Pause fügte ich hinzu: „Okay, auch die Sache mit der Rippe ist vermutlich ein hinterhältig knochiges Wortspiel. Das hebräische Wort für Rippe heißt ‚zela‘ und bedeutet zugleich: ‚Unglück‘. Nicht gerade charmant, ich geb’s ja zu.“

 

Sietätschelte freundlich meinen kahlen Schreiberschädel: „Manchmal ist deine angelesene Schlaumeierei doch zu was nutze. Also, wenn die Rippe eigentlich ein Unglück benennt, handelt es sich bei Eva letztlich um ein Stück Malheur, das sich der Kerl aus den Rippen geschwitzt hat. Ich sag’s doch: Ein absolut witzloser Mythos.“

 

Dem wäre wohl nichts mehr hinzuzufügen.

 

III.

Mannomännin! Übersetzungsschwierigkeiten sind auch mir bekannt, gerade beim gendersensiblen Umgang mit der Sprache. Zum Beispiel wollen die weiblichen Wesen, die ich besser kenne, garantiert keine Männinnen sein. Sie bestehen unabhängig vom Mann auf ihrer Eigenständigkeit als Frauen.

 

Und damit beginnt sprachlich ein schier unlösbares Dilemma, denn leider ist der Begriff „Frau“ nicht als ein eigenständiger zu begreifen. Die Frau, oder früher die frouwe ist vom germanischen fro hergeleitet. Und der Fro, das war der Herr. Es handelt sich also um eine Herr-Leitung. Geschichtlich gesehen wahrlich eine ziemlich lange Leitung.

 

Die Frouwes hatten für den Fro zu arbeiten. Das nannte man weibliche Fron-Arbeit, später dann Hausfrauenarbeit. Und wenn die Frau sich dabei totgeschuftet hatte, war eben Fronleichnam.

Fro bedeutet: der Frühe. Soll heißen: Er war der Erste. Der, der früher da war. Der, der die älteren Rechte hat. Wer als erster die Hand auf etwas legte, dem gehörte das Auferlegte. In alten Hochzeitszeremonien legte zum Beispiel der Bräutigam seine rechte Hand auf die linke der Braut, um sie so rechts-mäßig als die Seine zu deklarieren. Damit war sie ihm ausgehändigt. Eine Handhabe nennt man das. Und es ist schwer genug, sich dieser handfesten Okkupation zu entziehen: ex-manum-cipere. Emanzipation!

 

Es ist seltsamerweise das heutzutage im sprachlichen Allgemein-Verkehr verpönte „Weib“, in dem sich das Weibliche ohne jede Ableitung vom Manne her ausdrückt. Die Wurzel ist wahrscheinlich das indogermanische Verb ueibdessen Bedeutung noch nachschwingt bei den Wörtern „weben“ und „vibrieren“.

 

Und mit der frühlingsleichten Brise des lauen Berliner Nachmittags, an dem ich dies schreibe, weht mir von irgendwoher durchs offene Fenster die Botschaft eines „Sunshine-Reggae“ ans Ohr: 

„Let the good Weibs get a lot stronger ...“

 

Yeah, man!

 

IV.

Fortsetzung folgt – vielleicht im nächsten Satire-Letter. Und damit, liebwerte Leserinnen, wünsche ich Ihnen zum Frauentag weiterhin a Happy Emancipation!Übrigens: Wie wäre es mit einem Rendezvous? Am 6. April oder am 12. April könnten wir uns bei den „Wühlmäusen“ in Berlin mal wieder treffen (siehe Anhang). Allerdings sind beide Veranstaltungen schon sehr gut besucht. Es empfiehlt sich also eine baldige Buchung.

 

Bleiben Sie mir auch fürderhin gewogen. Es grüßt Sie herzlich und hirnlich

 

Ihr Martin Buchholz

 

Auftritte 2025

 

Am 6. und 12. April 2025 „Wühlmäuse“ Berlin (auch am 4./18./19./26. Oktober)

 

Kartenbestellungen für Sonntag, den 6. April 2025, unter:

https://wuehlmaeuse.de/veranstaltung/martin-buchholz-gestammelte-werke/ticket/41357/

Kartenbestellungen für Sonnabend, den 12. April 2025, unter:

https://wuehlmaeuse.de/veranstaltung/martin-buchholz-gestammelte-werke/ticket/41366/

 

Am Freitag, 26. September, und Sonnabend, 27. September, Hannover,

TAK ("Theater am Küchengarten") Ticket-Telefon 0511/132-29041

 

Sonnabend, 11. Oktober, Frankfurt  a. M., KÄS, Tel. 069 902839 86

Kartenbestellungen auch unter diesem Link: 

https://diekaes.reservix.de/p/reservix/group/